Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz

Das Gesetz zur Angleichung des Urheberrechts an die aktuellen Erfordernisse der Wissensgesellschaft  ( UrhWissG ) tritt zum 01.03.2018 in Kraft und gilt für zunächst fünf Jahre. Nach vier Jahren ist die Evaluation des Gesetzes vorgesehen.

Was müssen Bibliotheksnutzer/innen wissen?

Anfertigung von Kopien

Der urheberrechtliche Schutz für Werke (u.a. Bücher und Musiknoten) ist zeitlich begrenzt und erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Die Frist beginnt mit dem Ablauf des Todesjahres. Urheberrechtlich geschützt sind auch (wesentliche) Bearbeitungen von Werken.
Nach Ablauf der Schutzfrist sind die Werke gemeinfrei und dürfen ohne Zustimmung der Rechteinhaber auf jede Art verwertet (z.B. öffentlich wiedergegeben) werden.
Bei urheberrechtlich geschützten Werken ist die Vervielfältigung von bis 75% für die eigene wissenschaftliche Forschung erlaubt. Abweichend von dieser Regelung dürfen Werke geringen Umfangs (Schriftwerke bis 25 Seiten, Notenausgaben bis 6 Seiten, Abbildungen) sowie einzelne Aufsätze aus Fach ‐ und wissenschaftlichen Zeitschriften kopiert werden. Nicht erlaubt ist die Vervielfältigung von  Artikeln aus Tageszeitungen und Publikumszeitschriften. Vergriffene Werke dürfen unabhängig von Art und Umfang vollständig vervielfältigt werden.
Notenausgaben dürfen ohne Einwilligung des Urhebers/ Rechteinhabers für den privaten und sonstigen eigenen Gebrauch (z.B. zum Musizieren) nur kopiert werden, wenn das Werk seit mindestens 2 Jahren vergriffen ist oder das Kopieren durch Abschreiben/ Abtippen erfolgt.

Hinweis zur Fernleihe

Für die Fernleihe wurde der bisherige Umfang für die Lieferung von Teilkopien aus Büchern von 15 % auf 10% eines Werkes reduziert.
Aus Fachzeitschriften dürfen weiterhin ganze Aufsätze geliefert werden, unabhängig vom Seitenumfang. Bitte beachten Sie aber, dass nach der Deutschen Leihverkehrsordnung Kopienlieferungen über 20 Seiten mit zusätzlichen Kosten verbunden sind.
Die Lieferung von Aufsätzen aus Zeitungen und sog. Publikumszeitschriften ist nicht mehr erlaubt. Im Fall von Zeitungsartikeln prüfen die Bibliotheken den Versand ganzer Bände bzw. von Mikroformen, von einer Erfüllung der Bestellung kann aber nicht ausgegangen werden. Für die Klassifizierung der Publikumszeitschriften sind die Verleger aufgerufen, eine Titelliste einzureichen. Diese steht bisher noch aus.
Die bisherige Beschränkung der Kopienlieferung per Post und Fax entfällt, damit wird der Versand per E-Mail möglich. Dieser darf auch direkt an den Besteller erfolgen. Bitte beachten Sie, dass im Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) diese Möglichkeit derzeit noch nicht umgesetzt wird. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Voraussetzung für eine Fernleihbestellung ist die Verwendung zu nicht-kommerziellen Zwecken. Dies müssen Sie bei der Bestellung nun bestätigen. Andernfalls kann das Bestellformular nicht abgesandt werden.

Was müssen Dozenten/Wissenschaftler wissen?

Digitale Semesterapparate

Die Bereitstellung von digitalen Semesterapparaten ist weiterhin erlaubt (für Schriftwerke neu geregelt in §§ 60 a und c). Die Bereitstellung muss passwortgeschützt für einen begrenzten Teilnehmerkreis in einer Lehrveranstaltung oder für ein Forschungsprojekt erfolgen.
Es ist die Bereitstellung von 15% eines Werkes (bisher: 12% für Unterricht, 25% für Forschung) erlaubt. Vergriffene Werke dürfen vollständig zur Verfügung gestellt werden. Ebenfalls erlaubt ist die Bereitstellung von ganzen Beiträgen aus Fachzeitschriften, einzelne Abbildungen und Werken geringen Umfangs. NICHT erlaubt ist die Bereitstellung von Artikeln aus Zeitungen und Publikumszeitschriften.

Was dürfen Sie noch in den digitalen Semesterapparat einstellen:

  • Inhalte, die der Rechteinhaber unter einer offenen Lizenz zur Verfügung stellt (Open Access, Open Educational Resources, Creative Commons Lizenz). Dabei sind die jeweiligen Lizenzbestimmungen zu beachten.
  • Selbst gefertigte Materialien. Dazu zählen z.B. Skripte, Präsentationen und Übungen. Eine Ausnahme besteht hier allerdings, wenn bereits ausschließliche Nutzungsrechte an einen Dritten (z.B. Verlag) übertragen wurden.
  • Möglich wäre zudem die Verlinkung auf Schriftwerke, für die die  Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt eine Lizenz besitzt.
  • Außerdem zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, § 51 UrhG. Dabei muss das Zitat als Erörterungsgrundlage für eigene Ausführungen des Zitierenden dienen. Zudem müssen die Fundstelle und der Autor angegeben werden.
  • Immer möglich ist die Nutzung eines gemeinfreien Werkes, dessen Urheber länger als 70 Jahre tot ist.
  • Allgemein keinen urheberrechtlicher Schutz haben amtliche Werke  nach § 5 I UrhG. Dazu zählen Gesetze, Behördenerlasse und Gerichtsentscheidungen.
  • Sollte keine dieser genannten Möglichkeiten in Betracht kommen, bliebe zuletzt die Option, den Studierenden das Werk in Papierform zur Anfertigung einer Privatkopie nach § 53 UrhG zur Verfügung stellen. Bitte beachten Sie jedoch, dass eine Bereitstellung von Kopiervorlagen in den Semesterapparaten der Zweigbibliotheken aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich ist.

Für die Bereitstellung ist eine Vergütung an die  Verwertungsgesellschaften zu zahlen. Diese wird als Pauschalvergütung zu  entrichten sein, eine Einzelmeldepflicht wird es nicht geben.
Für Hinweise zur Einrichtung eines Digitalen Semesterapparates kontaktieren Sie bitte das @LLZ

Text- und Datamining

Wissenschaftler/innen erhalten das Recht, Datenbanken, Zeitschriften und andere urheberrechtlich geschützte Werke, zu denen ein legaler Zugang besteht (= Lizenz der Bibliothek) nicht nur Artikel für Artikel, sondern auch übergreifend automatisiert auszulesen, zu speichern und auszuwerten. Die Daten können dabei auch aus verschiedenen Quellen stammen, z.B. von unterschiedlichen Verlagen.
Nach Abschluss des Forschungsprojektes müssen die Wissenschaftler/innen diese lokal gespeicherten Daten jedoch löschen. Um eine spätere Nachprüfung zu ermöglichen, können diese jedoch zuvor an die Universitäts- und Landesbibliothek (oder anderen Bibliotheken, Archive) übergeben werden. Diese Bildungseinrichtungen sind exklusiv berechtigt, die ausgelesenen Daten dauerhaft zu speichern.
Bitte kontaktieren Sie in diesem Fall unser Open Science Team:

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