Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Hinweise zur Publikation in wissenschaftlichen Fachzeitschriften – das Problem des Predatory Publishing

Was ist Predatory Publishing?

Für die Publikation im Open-Access ist es erforderlich, dass die Kosten für die Erstellung und Begutachtung der Artikel durch deren Autoren aufgebracht werden.  Beim „Predatory Publishing” wird durch unseriöse Verlage versucht, die Publikationsgebühren (APCs) der Autoren zu erhalten, ohne die verlegerischen Leistungen, und hier vor allem das Peer Review Verfahren, in der erforderlichen Sorgfalt zu erbringen. In dem „Geschäftsmodell des Predatory Publishing“ besteht kein Interesse am Aufbau von wissenschaftlichem Renommee von Seiten des Verlages. Die Qualitätssicherung durch ein Peer-Review-Verfahren ist für seriöse Verlage unverzichtbar.

Ursachen und Auswirkungen des Predatory Publishing

In der komplexen Landschaft wissenschaftlicher Fachzeitschriften entstehen durch die Open-Access-Bewegung ständig neue Journals und bereits etablierte verändern ihre Angebote und Publikationsmodelle. Auf diesem vielschichtigen Markt können neben vielen qualitativ hochwertigen, von Experten begutachteten Publikationen (im Peer Review Verfahren), auch Zeitschriften durch Verlage angeboten werden, die mit unwissenschaftlichen Praktiken an den Publikationsgebühren verdienen, ohne durch professionelle Peer Review-Verfahren deren wissenschaftliche Qualität zu gewährleisten. Oft werben Verlage, die das „Predatory Publishing“ betreiben, sehr offensiv um Autoren (z.B. durch E-Mails und auf Konferenzen). Dabei wird den Autoren ein schneller Publikationsprozess versprochen. Durch die Nachahmung des Layouts von Websites seriöser Verlage oder einer Namensähnlichkeit zu solchen, wird wissenschaftliche Qualität suggeriert. Dabei wird z.B. häufig mit einem vorgeblichen, hohen Journal Impact Factor geworben oder im Editorial Board werden renommierte WissenschaftlerInnen genannt, die bezüglich einer Mitarbeit niemals angefragt wurden, wodurch auch deren Ansehen beschädigt werden kann.

Zudem fördert der Druck des „Publish or Perish“, bei der die Anzahl von Publikationen und deren Journal Impact Factoren die maßgeblichen Grundlagen für die Bewilligung von Fördermitteln und Stellenbesetzungen sind, eine sorglosere Wahl der Publikationsorte. Die Veröffentlichung unzureichend geprüfter Artikel kann die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft insgesamt untergraben. Im Hinblick auf den medizinischen Forschungsbereich können diese unter Umständen auch direkten Schaden anrichten. Weiterhin haben Artikel aus dem Hintergrund des „Predatory Publishing“ meist eine schlechtere Auffindbarkeit und Sichtbarkeit und deren langfristige Verfügbarkeit wird von den Verlagen nicht gewährleistet.

Woran erkennt man Predatory Journals?

Die folgenden Kriterien (orientiert an der Bibliothek der Universität Maastricht   ) sollen Ihnen dabei helfen, Open-Access-Zeitschriften zu bewerten, wenn Sie geeignete Veröffentlichungsplätze suchen oder als Rezensenten oder Redakteure eingeladen werden. Beachten Sie, dass es keine einzelnen, stets zutreffenden Kriterien dafür gibt, ob ein Journal seriös ist.

  • Stimmt die ISSN der Zeitschrift?
  • Wird die Zeitschrift tatsächlich von den genannten Datenbanken ausgewertet?
  • Ist der herausgebende Verlag Mitglied bei "Open Access Scholarly Publishers Association" (OASPA) oder dem "Committee on Publication Ethics" (COPE)?
  • Werden unrealistische Zeitangaben hinsichtlich des Abschluss des Peer-Review-Verfahrens gemacht? Seriöse Zeitschriften benötigen für die Begutachtung meist mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate. Sehr kurze Fristen deuten darauf hin, dass eine Begutachtung nur unzureichend oder gar nicht stattfindet.
  • Publikationsgebühren sind bei seriösen Verlagen erst nach Annahme einer Publikation zu entrichten und deren Höhe ist auf der Website klar benannt.
  • Vorsicht bei Angeboten von Verlagen zur Veröffentlichung des verschriftlichten Vortrags nach Konferenzen (kann auch seriös sein, daher bitte genaue Prüfung)
  • unethische Verlage treten oft an die Autoren von selbst heran

Wenn Sie weniger bekannte Zeitschriften als Publikationsort nutzen möchten, ist vor der Einreichung eine intensivere Prüfung angezeigt. Dafür können Sie die folgenden Informationsplattformen nutzen:

Im Zweifelsfall können Sie sich gerne an das Open Science Team der ULB Sachsen-Anhalt wenden ()

Maßnahmen der ULB gegen „Predatory Publishing“

Die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt fördert Open-Access Publikationen ihrer WissenschaftlerInnen durch einen Publikationsfonds, aus dem die Article Processing Charges (APC) zur Publikation in reinen Open-Access-Zeitschriften erstattet werden. Vor der Zusicherung einer Förderung werden die Anträge der WissenschaftlerInnen eingehend nach den Förderkriterien geprüft.

Im Falle, dass eine Zeitschrift nicht im DOAJ gelistet ist, wird eine Einzelfallprüfung orientiert an den oben genannten Kriterien durchgeführt.

„Fake Science“

In den Medien wurde im Zusammenhang mit dem Problem des „Predatory Publishing“ auch der Begriff „Fake Science“ verwendet. Dabei ist zu bedenken, dass die überwiegende Mehrheit der WissenschaftlerInnen, die Artikel bei „Predatory Journals“ einreichen, ihre Ergebnisse nach bestem Können und Gewissen erarbeitet haben und sie sich des problematischen Publikationsortes selbst nicht immer bewusst sind. In Anlehnung an den Begriff „Predatory“, selbst zum Opfer geworden sind. Daher kann man davon ausgehen, dass der Anteil der Artikel, die tatsächlich überwiegend unseriöse Inhalte in den „Predatory Journals“ verbreiten, nur sehr gering ist. Zusammen mit dem nach wie vor vergleichsweise kleinen Anteil von „Predatory Journals“ am Gesamtangebot wissenschaftlicher Fachzeitschriften, ergibt sich ein tatsächlich nur sehr geringer Umfang an möglicher Weise gefälschten Ergebnissen. Die Verwendung des Begriffes „Fake Science“ trifft nur auf eine kleine Anzahl der Publikationen zu und bewirkt eine nicht angebrachte Diskreditierung der Wissenschaft als Ganzes. Das Problem des „Predatory Publishing“ ist schon seit längerer Zeit bekannt und wird ernst genommen. Wirksame Maßnahmen sind hauptsächlich die  Information und Aufklärung der wissenschaftlich publizierenden Autoren, um das Problem weiter einzudämmen.

Weiterführende Informationen

Principles of Transparency and Best Practice in Scholarly Publishing (OASPA)   

Predatory Publishing - Herausforderung für WissenschaftlerInnen und Bibliotheken   

‘Predatory’ open access: a longitudinal study of article volumes and market characteristics (2015) in BMC Medicine von Cenyu Shen* und Bo-Christer Björk   

Journal Evaluation Tool (2017) in LMU Librarian Publications & Presentations von Shilpa Rele, Marie Kennedy und Nataly Blas   

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