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Ausstellung in der Romanistik ehrt Victor Klemperer

 Am 11. Februar 2010 jährt sich zum fünfzigsten Mal der Todestag des berühmten Hallenser Romanisten Victor Klemperer. Das Institut für Romanistik der Universität ehrt Klemperer aus diesem Anlass mit einer Buch- und Fotoausstellung in der Neuphilologischen Zweigbibliothek der Universität.

Victor Klemperer wurde 1881 geboren und wurde nach seiner Promotion und Habilitation und nach einem Aufenthalt als Lektor an der Universität Neapel Professor für Romanistik in Dresden, einer Stadt, der er bis zum Lebensende verbunden blieb und in der er auch starb. Als Jude wurde er nach 1933 aus seinem Amt entlassen und zunehmend drangsaliert, durfte keine Bibliotheken mehr benutzen, musste seine Wohnung aufgeben und mit seiner (nichtjüdischen) Frau Eva in verschiedene „Judenhäuser“ ziehen, blieb aber in Deutschland. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte er seine Lehrtätigkeit wieder aufnehmen, zunächst in Greifswald, dann – seit 1948 – in Halle, später zusätzlich auch in Berlin. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte galten vor allem der französischen Literatur und dort vor allem der Epoche der Aufklärung.

In den letzten zwanzig Jahren, also erst lange nach seinem Tod, wurde Klemperer vor allem durch die Publikation seiner Tagebücher berühmt, die er das ganze Dritte Reich über führte und vor allen Hausdurchsuchungen und Schikanen verstecken konnte. Sie geben ein umfassendes Bild des Alltagslebens im Nationalsozialismus; hier lässt sich verfolgen, wie Klemperer systematisch als Wissenschaftler und Mensch ausgegrenzt wurde und in permanenter Angst vor der Verfolgung durch die Gestapo lebte. Zugleich legten diese (sehr umfangreichen und ab 1995 mit großem, auch internationalem Erfolg veröffentlichten) Aufzeichnungen die Grundlage für ein weiteres sehr verbreitetes Buch des Literaturwissenschaftlers, nämlich „LTI“ („Lingua Tertii Imperii“, „Die Sprache des Dritten Reiches“), das in zahlreichen Auflagen nach dem Krieg erschien. Die Tagebücher wie der Band „LTI“ gelten heute als Schlüsselwerke der Zeitgeschichte; auf der Grundlage der Tagebücher entstand sogar neben mehreren Dokumentationen eine zwölfteilige Fernsehserie.

Klemperer lehrte in Halle bis 1958, zwei Jahre vor seinem Tod. Zahlreiche Fotos zeigen ihn hier, unter anderem an seinem Schreibtisch im alten Institut für Romanistik am Universitätsplatz, aber auch im heutigen Historischen Hörsaal im Löwengebäude. In der Ausstellung wird erstmals auch Klemperers „Entnazifizierungs-Fragebogen“ aus seiner Personalakte zu lesen sein, der auch ihm – dem Opfer der Nazis – abverlangt wurde. In sechs Zentimeter großen Buchstaben steht hier bei der Frage „Waren Sie jemals Mitglied der NSdAP?“ ein einziges „NEIN“.

Die Ausstellung ist vom 11.2. bis zum 15.4.2010 in der Neuphilologischen Zweigibliothek der Martin-Luther-Universität zu sehen (Dachritzstraße 12; Mo-Sa 10-22 Uhr, So 14-20 Uhr).

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