Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Stammbücher

„Alba Amicorum“ entstanden während der Reformationszeit im  Universitätsmilieu, als Studenten ihre akademischen Lehrer um  Widmungseinträge in Ihre (Lehr-)Bücher baten. In die akademischen  Stammbuchsitten des 16. und frühen 17. Jahrhundert fanden bald  verschiedene Traditionen des Adels, wie der Gebrauch von Gästebüchern,  genealogischen Stammtafeln, Turnier- oder Geschlechterbüchern, Eingang.
Stammbücher  wurden von Deutschen, Niederländern, Skandinaviern, Polen und Ungarn  gepflegt. In ihrer Entstehungszeit waren sie zumeist  Autographensammlungen berühmter Reformatoren. Noch im 18. Jahrhundert  waren Stammbücher eher eine Mode unter Protestanten als unter  Katholiken. Bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hinein  waren diese Stammbücher vor allem bei Studenten verbreitet. Die  Autographen der Professoren und andrer Personen, die eo ipso als  Autoritäten angesehen wurden, dienten nicht nur der Erinnerungskultur  sondern waren gewissermaßen Empfehlungsschreiben beim Wechsel der  Universität. Die Vorlage eines Albums war eine gute Möglichkeit, mit  potentiellen Gönnern und Protektoren in Kontakt zu treten.

Studentenkommers, seltene Gouache aus dem von 1778-1795 geführten Studentenstammbuch von Carl Wilhelm Lehmann; ULB, Historische Sammlungen: Yg St. 8° 46

Studentenkommers, seltene Gouache aus dem von 1778-1795 geführten Studentenstammbuch von Carl Wilhelm Lehmann; ULB, Historische Sammlungen: Yg St. 8° 46

Stammbücher liegen in der Regel in Buchform, kommen aber auch als Loseblattsammlung in buchförmigen Kassetten vor.
Der Eintrag besteht in der Regel aus einem Textteil, einer Dedikationsformel sowie Namen, Fakultät und Herkunftsort des Inskribenten samt Orts- und Datumsangabe.
Im 18. Jh. entwickelte sich für die Ausschmückung mit Grafiken, Zeichnungen etc. eine eigene Industrie. Im 19. Jh. lief der Stammbuch-Modetrend aus. Als Schlusspunkt der Entwicklung kann man die Poesiealben ansehen.
Stammbuch, Album bzw. Poesiealbum sind in gleicher Weise historische Dokumente. Kulturgüter, die die jeweiligen Zeitströmungen widerspiegeln und Schlüsse über Mentalität und Moralvorstellungen der Schreiber zulassen.
Die ULB Sachsen-Anhalt sammelt schwerpunktmäßig Alben mit regionalem Bezug. So erwarb die Bibliothek in den Jahren 2016 und 2017 über  100 hallische Stammbücher aus der Sammlung Dr. Hans Stula, von denen etwa 60 Exemplare in einer Sonderausstellung vom 17. November 2017 bis 14. Januar 2018 im Salinemuseum in Halle gezeigt wurden.
Anlässlich der Ausstellung entstandene kleine Einführung -
Aufzeichnung eines Interviews des wtv der offene Kanal aus Wettin mit Frau Dr. Julia Knödler :

Video bei Youtube   

Literatur zu Stammbüchern

Bisher im Bibliothekskatalog nachgewiesene Stammbücher

Stammbücher digitalisiert - Mit Nachweis im OPAC

Stammbücher ohne Nachweis im OPAC

Stammbücher grüner Hintergrund

Stammbücher grüner Hintergrund

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